Mit seiner Sammlung Satin-Schwarz gewann Leo Müller mit 386 Punkten den Europameistertitel in Dänemark. Foto: Werner Hartleb

Es sollte die letzte Reise zu einer großen Kaninchenausstellung für Leo Müller aus Birkungen sein. Dies wusste er, als er sich auf den Weg nach Herning machte. Denn in Dänemark fand die Europaschau der Rassekaninchenzüchter am zweiten Novemberwochenende statt. „Meine Entscheidung stand vorher fest, dass ich aufhöre“, sagt der 67-Jährige mit etwas Wehmut in der Stimme.

Der Birkunger war Dauergast mit seinen Kaninchen auf „großen Schauen“, wie er selbst sagt. Und das zeigen auch die vielen Trophäen, die er präsentieren kann. Bei seinen vier Teilnahmen auf Europaschauen lag er mit seinen Tieren verschiedener Rassen immer weit vorn. „ Ich war drei Mal Zweiter, hatte zwei Europachampion und jetzt bin ich Europameister geworden“, erzählt Leo Müller nicht ohne Stolz. Auch die zwei Deutschen Meistertitel, neun Landesmeistertitel und zwei Bundessieger zeugen vom großen Erfahrungsschatz des Birkungers.

„Um 7 Uhr bin ich losgefahren und nach acht Stunden war ich in Herning“, blickt Müller auf die Anreise zur Europaschau zurück. Und selbstverständlich half der Eichsfelder in Dänemark mit. Als Helfer versorgte er mit vielen anderen die Kaninchen während der Ausstellung mit Futter und frischem Trinkwasser. Sechs Tage erlebte der 67-Jährige, die zum Abschluss seiner Züchterlaufbahn noch einmal einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. „Am Freitag vor der Öffnung der Schau hatten wir Helfer nach dem Frühstück Zeit, vor die Halle zu sehen. Ich war überwältigt. Hunderte von Züchtern standen schon davor. Große Busse aus Italien und Schweden waren angereist“, berichtet Müller. Und nicht nur das habe ihn begeistert: „Es war ein tolles Erlebnis. Es ist schön zu sehen, wie viele Jugendliche in anderen Ländern dabei sind.“

Stolz präsentiert Leo Müller die Urkunde. Foto: Sebastian Grimm

Zu diesem Zeitpunkt wusste der erfahrene Züchter allerdings schon, dass er wieder einmal weit vorne dabei ist. „Als ich am Freitagfrüh an die Käfige kam, habe ich mich sehr gefreut.“ Und dies tat Leo Müller zurecht. Denn mit der Rasse Satin-Schwarz, die er seit dem Jahr 2011 züchtet, hatte er mit seiner Sammlung, die aus vier Tieren besteht, den Europameistertitel geholt. 386 Punkte für seine Kollektion waren an diesem Tag nicht zu toppen. Und mehr noch. Eine Häsin wurde mit 97 Punkten Europachampion. Und ein paar Meter entfernt standen vier weitere Prachtexemplare aus der Zuchtanlage von Leo Müller. Seine Sammlung der Rasse Satin-Havanna wurde ebenso mit 386 Punkten bewertet. Dies reichte zum Vizemeistertitel.

„Hier war mein langjähriger Konkurrent Manfred Lemme aus Stade mit 2,5 Punkten vor mir.“ Nach sechs Tagen und vielen Erlebnissen stand die Heimreise an, aber diese trat der 67-Jährige ohne seine acht Spitzentiere wieder an. „Ich habe alle verkauft. Zwei Tiere haben Züchter aus Italien gekauft“, so Leo Müller. Ein weiteres wird in Lettland und wiederum zwei werden in Schweden für Nachkommen sorgen.

Viele Freundschaften entstanden in den 40 Jahren Züchterleidenschaft. Begonnen hat Leo Müller mit der Kaninchenzucht 1978, als er in den Kaninchenzuchtverein Weißenborn-Lüderode eintrat. Auf seine Initiative wurde der Kaninchenzuchtverein Leinefelde 1981 gegründet. Damals zog er nach Leinefelde und suchte Mitstreiter für sein Hobby und fand sie. Lang ist die Liste der Rassen, die Leo Müller in den 40 Jahren in seinen Ställen mit Erfolg züchtete. Los ging es mit Deutschen Riesen wildgrau über Rheinische Schecken und Weißgrannen, Blaugraue Wiener bis eben zu Satin-Schwarz und Satin-Havanna.

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