Wenn Ursula und Werner Richert aus Günterode heute ihre Zuchtanlage betreten, ist es für ihre Kaninchen der Rasse Lohkaninchen schwarz ein ganz normaler Tag. Es gibt Heu in die Raufen, frisches Wasser und wie gewohnt ein paar Leckerbissen aus dem heimischen Garten. Doch für Richerts ist der 26. April ein besonderer Tag. Denn vor 50 Jahren gaben sich die beiden das Ja-Wort vor dem Traualtar. In den Ehejahren entdeckten die beiden auch die Kaninchenzucht für sich.

Während Werner Richert, der dieses Jahr zudem seinen 70. Geburtstag begeht, schon früh mit der Zucht begann, lernte Ursula Richert im Laufe der Ehejahre das Hobby des Mannes lieben und schätzen. „Ohne sie hätten wir das Hobby in den 90er Jahren auch nicht aufrechterhalten können“, sagt der 69-jährige Günteröder. Denn als er nach 1990 eine Zeit lang auf Montage arbeiten musste, war es seine Frau Ursula – die Freunde und Familienangehörige liebevoll einfach nur „Ursel“ nennen – die gemeinsam mit seinem Vater die Rassekaninchen versorgte, als er in der Ferne Geld verdiente.

„Opa hat immer Grünes geholt, damit ich Füttern konnte“, blickt die 68-jährige Eichsfelderin auf die Jahre zurück, in der ihr Schwiegervater das geliebte Hobby seines Sohnes mit unterstützte. Und wenn das „goldene Paar“ zurückdenkt, drehte sich in der Zeit vieles um die Kaninchen.

„Wenn Werner am Wochenende dann zu Hause war, war es an ihm, die Ställe auszumisten“, sagt Ursula Richert, die selbst seit 1995 Mitglied im Günteröder Kaninchenzuchtverein ist.

Schwere Zeiten
gemeinsam gemeistert

„Es war nicht leicht zu der Zeit, und ich bin dankbar, dass ich die Unterstützung hatte. Bei den Kaninchen kann ich einfach entspannen, so war es schon damals“, blickt Werner Richert auf eine anstrengende aber auch prägende Zeit zurück. Heute findet man in der Zuchtanlage Lohkaninchen schwarz. Das war aber nicht immer so. Denn als Jugendlicher, als er seine ersten Kaninchen in den Ställen auf dem Hof seines Elternhauses hatte, in dem sich auch die heutige Anlage befindet, waren es Rote Neuseeländer. „Das war aber noch keine richtige Zucht“, erzählt Werner Richert, der genau zu dieser Zeit die Liebe zu den Tieren entdeckte. Und neben den Lohkaninchen schwarz tummelten sich im Laufe der vielen Züchterjahre auch weitere andere Rassen in den Ställen der Richerts. „Als Zweitrasse hatten wir mal Weißgrannen, Thüringer und Kleinchinchilla“, erzählt der 69-Jährige.

Sohn Daniel baute die Zuchtanlage

Als er 24 Jahre alt war, ging es dann richtig los. Mit einem Lächeln erinnert sich der Günteröder an die Anfangszeit: „Ursel fasste damals kein Kaninchen an.“ Sohn Daniel wurde vom Hobby des Vaters infiziert und war fortan bei der Kaninchenzucht dabei. Und als es hieß, neue Ställe würden gebraucht, kamen ihm seine Fähigkeiten als ausgebildeter Tischler gelegen. Nach wenigen Wochen hatte der junge Mann die heutige Anlage genau nach den Wünschen von Vater Werner gebaut.

Mit ein bisschen Wehmut mussten die beiden Günteröder dann akzeptieren, dass Sohn Daniel das Elternhaus verlässt. Doch wer Werner Richert kennt, weiß, dass dies nicht das Ende der Kaninchenzucht sein konnte. „Mit meinem Sohn habe ich damals ein kleines Komplott geschmiedet und zu ihm gesagt: ‚Wir müssen deine Mutter mit ins Boot holen‘ “. Und es gelang.

Doch dann musste die Zucht für zwei Jahre pausieren, als Werner Richerts Vater starb. „Es war keiner mehr da, der Grünzeug holte, damit ich füttern konnte“, erzählt Ursula Richert. Es war aber schnell wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, denn die Montagezeit sollte 2001 der Vergangenheit angehören. Schnell war sich das Ehepaar schließlich einig: „Jetzt fangen wir wieder an.“ Und so mussten neue Zuchttiere beschafft werden.

Dies gelang auf der Landesschau in Kassel, und auch Willibald Wenzel aus den Reihen der Eichsfelder Kaninchenzüchter, der mit der Rasse Lohkaninchen schwarz große Erfolge feierte, unterstützte die Richerts mit einer Häsin. Heute züchten die zwei Günteröder mit elf Häsinnen und drei Rammlern.

Stolz auf den Enkelsohn

Stolz sind sie, dass Enkelsohn Maxemilian, obwohl er nicht mit im Haus wohnt, wenn er Zeit hat, das Paar bei der Zuchtarbeit unterstützt. Gemeinsam werden die täglichen Aufgaben erledigt: füttern, misten – eben alles was zur Zucht dazugehört. „Wir machen es so lange, bis wir nicht mehr können. Wenn wir jetzt aufhören, würde uns etwas fehlen. Aber sobald einer ausfällt, dann geht es nicht mehr“, wagt Ursula Richert schon mal einen Blick in die Zukunft, die aber so schnell noch nicht eintreten soll, denn die Kaninchenzucht ist für beide mehr als ein Hobby. Neben der Arbeit in der eigenen Zuchtanlage engagiert sich Werner Richert für die Rassekaninchenzucht in seinem Heimatverein aktiv. Dort ist er seit dem 17. Juni 1982 Zuchtwart und bekleidet dieses Amt auch seit vielen Jahren im Kreisverband der Eichsfelder Rassekaninchenzüchter. Immer an seiner Seite: seine Frau Ursula.

Der Keisverband Eichsfeld und seiner Mitglieder gratulieren recht herzlich zu Eurem Jubiläum.

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